Eine Ode an die Langsamkeit
Wann hast du dir das letzte mal Erlaubt langsam zu sein? Ich meine nicht, weil du nicht anders konntest, sondern freiwillig. Ohne auf die Uhr zu schauen. Ohne das Gefühl, eigentlich schon längst etwas geschafft haben zu müssen.
Ich glaube, viele von uns haben verlernt, langsam zu sein. Nicht, weil wir es nicht wollen, sondern weil wir in einer Welt leben, die sich gefühlt immer schneller dreht. Weil die Gesellschaft Geschwindigkeit mit Erfolg verwechselt - wer viel schafft, gilt als engagiert und wer ständig beschäftigt ist, wirkt wichtig. Wer Pausen macht, muss sich oft rechtfertigen.
Das Geschenk in der Langsamkeit
Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie ich in eine chronische Erschöpfung kam und nicht mehr leisten konnte. Es ging nicht mehr. Meine Therapeutin gab mir den Rat, einen Tag frei zu nehmen, in den Wald zu gehen und mich auf eine Bank zu setzen. Das machte ich und fühle mich plötzlich so verloren und hilflos. Ich hatte keine Ahnung, was ich auf der Bank tun sollte. Ich hatte verlernt zu fühlen, zu sein mit meinen Sinnen, wahrzunehmen. Es war nicht einfach für mich, aber mein Körper zeigte mir den Weg zurück in die Langsamkeit, zuerst hatte ich keine Wahl, dann erkannte ich das Geschenk. Die Langsamkeit eröffnete mir eine komplett neue Welt, mit vielen intensiven Eindrücken und Gefühlen, fast ein bissen wie in der Kindheit.
Wie können wir Langsamkeit wieder in unser Leben einladen?
Nicht mit Perfektion. Es braucht Mut langsamer zu werden. Es braucht Bewusstsein und Achtsamkeit. Die Langsamkeit sagt: Ich muss nicht überall dabei sein. Ich muss nicht alles sofort erledigen. Ich darf Pausen machen. Das ist keine Schwäche, das ist Selbstfürsorge. Es geht nicht darum, sein Leben komplett zu verändern, sondern es sind kleine Rituale und Routinen.
Es ist eine leise Sehnsucht nach Ruhe und Verbundenheit, die uns helfen kann, die ersten langsamen Schritte zu wagen.