Muss ich immer funktionieren?
Irgendwann kommt dieser Moment, der vieles auf den Kopf stellt. Es ist kein Ereignis, kein Burnout, keine Krise, sondern dieser leise Moment, in dem du morgens aufwachst und dich fragst: "Ist das jetzt mein Leben?"
Ich begegne diesen Fragen immer wieder und ehrlich gesagt kenne ich sie selbst sehr gut. Frauen in der Mitte ihres Lebens, haben viel erschaffen und von aussen scheint alles zu passen. Und trotzdem ist da dieses leise Gefühl, erst ist es nur eine Ahnung, irgendwann spüren wir es immer deutlicher. Eine Müdigkeit, die nicht nur von schlechtem Schlaf kommt. Eine Sehnsucht nach mehr Leichtigkeit, nach Zeit, nach Lebendigkeit. Da ist sie, die Frage: “wer bin ich eigentlich?”
Die meisten Frauen kennen das sehr gut - diesen Anspruch, stark sein zu müssen, für alle da zu sein, unsere eigenen Bedürfnisse immer wieder zurückzustellen. Ständige Verfügbarkeit emotional und körperlich - woher kommt das eigentlich? Haben wir es so vorgelebt bekommen? Wurde Leistung mehr gelobt als Selbstfürsorge? Und wann genau haben wir begonnen zu glauben, dass unser Wert davon abhängt, wie viel wir leisten. Und jetzt funktionieren wir - Tag für Tag. Manchmal so gut, dass niemand merkt, wie erschöpft wir eigentlich sind. Nicht einmal wir selbst.
Der Kopf sagt: "Das schaffst du noch." Der Körper sagt irgendwann: "Nein."
Ich erlebe im Coaching häufig, dass Frauen erst dann innehalten, wenn ihnen der Körper keine andere Wahl mehr lässt. Schlafprobleme. Innere Unruhe. Erschöpfung. Das Gefühl, ständig gereizt zu sein. Oder einfach diese tiefe Lustlosigkeit, obwohl eigentlich "alles gut" ist. Unser Körper liebt uns und zeigt es uns , wenn wir viel zu lange über unsere eigenen Grenzen gegangen sind.
Viele glauben, eine Neuorientierung müsse spektakulär sein. Ein neuer Job, eine Trennung, ein kompletter Neuanfang. Doch aus meiner Erfahrung entstehen die nachhaltigsten Veränderungen viel unspektakulärer: Sie beginnen mit Ehrlichkeit. Mit dem Mut, sich selbst wieder zuzuhören. Mit der Frage: "Wie geht es mir eigentlich wirklich?" Nicht so, wie ich es anderen erzähle, sondern ehrlich.
Eine ehrliche Innenschau: Was sind meine Erfahrungen? Was sind meine Stärken? Was sind meine Werte? Will ich das alles Überhaupt noch? Was brauche ICH wirklich? Es ist nicht ein “ich muss alles ändern” sondern wir dürfen uns entscheiden, bewusster zu wählen. Weniger zu müssen, mehr zu dürfen. Das ist für mich echte Entfaltung. Nicht höher, schneller, besser, sondern authentischer.
Du musst heute keine großen Entscheidungen treffen. Vielleicht reicht es, wenn du dir einfach zehn Minuten Zeit nimmst für etwas, dass dir gut tut. Jedes liebevolle innehalten ist eine Entscheidung für dich. Es sind die kleinen Momente, in denen wir uns wieder spüren können, die uns wieder daran erinnern, wer wir wirklich sind und was wir möchten.
Fragen für deine persönliche Reflexion
Ein paar Impulse. Wenn du magst, nimm dir etwas Zeit und gehe mit ihnen in einen kleinen inneren Dialog. Ehrlich und dir zugewandt, am Besten ohne dich zu bewerten.
Wie geht es mir wirklich - ganz ehrlich?
Wo in meinem Leben funktioniere ich nur noch, statt bewusst zu leben?
Welche Verpflichtungen trage ich, weil ich glaube, sie tragen zu müssen? Stimmt das?
Wann habe ich zuletzt etwas nur für mich getan – ohne schlechtes Gewissen?
Welche Menschen geben mir Energie? Welche kosten mich Kraft?
Wo überschreite ich immer wieder meine eigenen Grenzen?
Was würde sich verändern, wenn ich mir selbst genauso viel Mitgefühl schenken würde wie anderen?
Welche Träume oder Wünsche habe ich vor Jahren zur Seite gelegt? Sind sie vielleicht heute noch wichtig? Oder sind da neue?
Und die vielleicht wichtigste Frage: Wer möchte ich sein, wenn ich aufhöre, nur zu funktionieren?